Abmahnung wegen Bitte um Bewertung

Händler sollte wegen unzulässiger Werbung eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgeben

Soeben bin ich auf einen Artikel gestoßen, in dem berichtet wurde, dass ein harmloser Reifenhändler seinem Kunden unaufgefordert eine Mail geschickt hat, in welcher er darum bat seinen Service und die Qualität der erworbenen Reifen zu bewerten. Heutzutage eine gängige Praxis über die ich schon oft nachgedacht habe – man kann sich ja wirklich kaum im Netz bewegen, ohne nicht postwendend mit Emails zugemüllt zu werden, die um Bewertungen betteln.

Ich muss gestehen, ich bewerte selten – meist nur, wenn ich mich geärgert habe oder wenn mich etwas himmelschreiend begeistert. Also ignoriere ich die Aufforderung und gut.

Aber hier geht es ja nicht um mich, sondern um den armen kleinen Reifenhändler, der eben diese Bewertungsbitte ausgerechnet einem Rechtsanwalt zukommen ließ, dem offenbar gerade die Zeit in Lappen aus den Taschen hing!

Shit happens!

Dieser nahm nämlich die Mail zum Anlass, den Reifenhändler abzumahnen und damit nicht genug, er wollte sich auch seine Auslagen für die angefallenen Abmahngebühren einklagen.

Der Händler musste wegen unzulässiger Werbung eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgeben. Was er nicht tat. Womöglich dachte er „Anwälte mit zuviel Zeit – lasst doch mal die Kirche im Dorf“.

Nun hat er wiederum die Rechnung ohne die Ausdauer besagten Anwalts gemacht – das Verfahren lag schlussendlich dem Amtsgericht Hannover zur Entscheidung vor.

Und die gaben dem Anwalt Recht, jedoch OHNE der Erstattung etwaiger entstandener Kosten stattzugeben.

Ich muss sagen, auch wenn ich die Augen verdrehe, ob dieser Abmahnerei und des, wie ich finde, übertriebenen Vorgehens des Rechtsanwaltes,  bin ich doch froh, dass es hierzu mal eine gerichtliche Entscheidung gibt!

Tausende Unternehmen bewegen sich doch tagtäglich in einer Grauzone, wenn sie Ihre Kunden um Bewertungen bitten, auch wenn diese z.B. der Zusendung von Newslettern und Werbemails nicht zugestimmt haben. Oft krankt dies Verfahren sicherlich am Einsatz einer entsprechenden Software, da der Vorgang der Zusendung eines Newsletters nicht mit der Zusendung von Bewertungsanfragen nach einem Kauf verknüpft ist.

Aus Sicht der Unternehmen ist das Sammeln von Bewertungen ein immens wichtiger Vorgang für den Vertrieb und eine gute öffentliche Reputation! Quasi die Mundpropaganda im Netz.

Und wo immer machbar, sollte man den klassischen Vertrieb mit dem Internetvertrieb vernetzen und diese voneinander profitieren lassen.

 

Da frage ich mich – wie agiert ein KMU, welches sowohl im Netz als auch mit Ladengeschäft aktiv ist. Realistisch betrachtet, wird man wohl kaum abstimmen, ob ein Laufkunde auch schonmal Internetkunde war und ob besagter Kunde dann dort der Zusendung von Werbung widersprochen hat und und und- würde doch keiner machen!

Gibt es dazu „Best-Practice“ Beispiele?

 

Aber die Rechtsprechung sagt hierzu: lieber Händler, ohne Einwilligung des Kunden – keine Werbung, sonst Abmahnung, Kosten, Ärger und was nicht alles.

 

Und mit diesem Urteil wurde festgelegt: Bewertungsanfragen sind Werbung!

 

Den ganzen Artikel hierzu könnt ihr hier lesen:

 

http://www.e-recht24.de/news/ecommerce/7749-abmahnung-spam-bitte-um-bewertung.html

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